Lipödem – nicht gleich Lymphödem!

Was haben die Sängerinnen Alicia Keys, Kelly Clarkson und die Radiomoderatorin Laura Larsson gemeinsam? Alle leiden unter der wenig bekannten Erkrankung „Lipödem“. Sprüche wie „Ernähr Dich mal gesund! und „Du bist zu faul, um Sport zu machen“ sind noch die harmlosesten Vorurteile, mit denen Laura Larsson zu kämpfen hat.

Obwohl in Deutschland ca. 3,8 Millionen Frauen daran leiden, ist das Krankheitsbild noch immer wenig bekannt. Viele Betroffenen wissen gar nicht, das sie ein Lipödem haben und führen die Symptome auf Übergewicht oder mangelnde Bewegung zurück. Auch von ärztlicher Seite wird die Erkrankung häufig nicht erkannt oder mit einem Lymphödem oder einer einfachen Adipositas verwechselt.

Unterschiede Lipödem – Lymphödem

Das Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Es handelt sich um eine genetisch bedingte Erkrankung, bei der es zu einer symmetrischen Vermehrung von Fettgewebe an Beinen, Hüften und manchmal auch Armen kommt.

Im Gegensatz zum Lymphödem betrifft das Lipödem nicht das Lymphsystem direkt, sondern das Unterhautfettwebe. Ein Lymphödem ist eine chronische Erkrankung, die durch eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Gewebe verursacht wird. Laut dem Berliner Phlebologen Dr. Hamidreza Mahoozi unterscheidet man das primäre Lymphödem, welches angeboren ist und bereits in Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter sichtbar werden kann und das sekundäre Lymphödem, welches sich infolge einer Schädigung des Lymphsystems, etwa durch Operationen, Bestrahlung oder Verletzungen entwickeln kann.

Während die Beschaffenheit der Schwellung beim Lymphödem eher hart und fest ist und eher ein Spannungsgefühl erzeugt, fühlen sich die betroffenen Areale beim Lipödem eher weich und schwammig und die Frauen klagen über eine erhöhte Druck- und Schmerzempfindlichkeit und einer verstärkter Neigung zu Blutergüssen.

Stadien- und Typen beim Lipödem

  • Stadium I: die Hautoberfläche ist glatt und das Unterhautfettgewebe ist weich und gleichmäßig verdickt
  • Stadium II: die Hautoberfläche ist uneben und es bilden sich Knoten und Dellen im Fettgewebe
  • Stadium III: das Fettgewebe verhärtet sich weiter und es kommt zu massiven Fettlappen
  • Stadium IV: kombinierten Formen mit Lymphödem


Neben der Stadieneinteilung unterscheidet man beim Lipödem, je nach Verteilung des Fettgewebes noch vier Typen. Die Klassifizierung reicht von einer Fettvermehrung im Hüft- und Gesäßbereich (Typ 1 – die sogenannte „Reiterhose“) , die Ausbreitung bis zu den Knien (Typ 2) über eine Vermehrung bis zu den Knöcheln (Typ 3) bis hin zur ebenfalls betroffenen Arme ((Typ 4).

Die wichtigsten Säulen Lipödem-Behandlung

Laut dem Ärztlichen Direktor der LipoClinic Dr. Thomas Witte sind je nach Stadium und Typ des Lipödems verschiedene Behandlungen sinnvoll:

  • Kompressionstherapie – tägliches Tragen der Strümpfe zur Schmerzlinderung und
    Durchblutungsverbesserung
  • Ernährungsumstellung – entzündungshemmende Ernährung (wenig Zucker, viel Gemüse)
  • Manuelle Lymphdrainage – reduziert Spannungsgefühle
  • Bewegungstherapie – gezieltes Sport-Rehaprogramm (Nordic Walking, Schwimmen)
  • Nahrungsergänzungsmittel – Omega-3-Fettsäuren, Kreatin, Vitamin D, B12, Steinklee
  • Liposuktion – Fettabsaugen, wenn alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind


„Von Diäten oder Wassertabletten ist abzuraten, da sie nicht wirken.“ so Dr. Thomas Witte.
Klaus Veitinger

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